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Tiguan I = Tiguan II

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Offensichtlich lassen sich nicht alle Käufer eines VW Dieselfahrzeuges auf einen Vergleich mit Verschwiegenheitsvereinbarung ein. Ein Kunde des Wolfsburger Konzerns hat jetzt vor dem Hamburger Landgericht (Az. 329 O 05/17) ein bemerkenswertes Urteil erstritten.

Der Kläger hatte im Jahr 2015 einen neuen VW Tiguan mit einem 2,0 Liter Dieselmotor gekauft. Dieses Fahrzeug war mit der mittlerweile bekannten Software zur Manipulation von Abgastests ausgestattet. Der Kläger war aufgrund der Tatsache, dass das Fahrzeug außerhalb des Prüfstandes einen weitaus höheren als den beworbenen und zugesicherten Abgasausstoß aufwies der Meinung, dass es sich um ein mangelhaftes Fahrzeug handele. Da eine Nachbesserung aus seiner Sicht nicht möglich sei, bestand er auf eine Nacherfüllung durch die Lieferung eines mangelfreien Neuwagens.

Dem Antrag hat das LG Hamburg mit Urteil vom 07.03.2018 entsprochen und Volkswagen verurteilt dem Kläger einen mangelfreien Neuwagen mit identischer Ausstattung zu liefern. Das Gericht ist der Ansicht, dass der verkaufte VW Tiguan nicht im vereinbarungsgemäßen Zustand übergeben wurde und damit mangelhaft sei. Eine Nachbesserung durch ein Softwareupdate würde, nach Ansicht des Gerichts den Mangel nicht beseitigen und überdies bestünde die Wahrscheinlichkeit, dass durch die permanente Abgasrückführung ein erhöhter Verschleiß am Fahrzeug eintrete.

Interessant ist die Ausführung des Gerichts zu der Argumentation von Volkswagen, dass alle Fahrzeuge des Typs von dem Mangel betroffen sein und daher die Lieferung eines mangelfreien Fahrzeuges unmöglich wäre. Das Gericht stellte jedoch klar, dass nach seiner Ansicht, die Gattung Tiguan, aus der ein Neufahrzeug stammen muss, sich nicht auf den hier verkauften Tiguan I beschränkt. Das Gericht sah es vielmehr so, dass auch der seit 2016 gebaute Tiguan II ein Fahrzeug der selben Gattung darstellen würde. Da dieses die Euro 6 Norm erfüllt und ohne die verbotene Abschaltsoftware gebaut wird, wäre ein Tiguan II als mangelfreies Fahrzeug mit vergleichbarer Ausstattung als Fahrzeug zur Nacherfüllung geeignet.

Der Kläger kann sich nun freuen, dass er ein Fahrzeug einer neuen Serie erhält und seit 2015 quasi kostenlos Auto gefahren ist. Das LG hat nämlich ganz nebenbei auch erklärt, dass ein Nutzungsersatz für die mit dem Tiguan I gefahrenen Kilometer nicht zu zahlen ist. Wie so oft zeigt sich, dass es sich lohnt einen langen Atem zu haben und nicht gleich das erste Angebot von Volkswagen anzunehmen.