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Corona und das Reisefieber. Reichen Gutscheine als Erstattung?

– UPDATE – 30.04.2020

Das Auswärtige Amt hat die Reisewarnung zwischenzeitlich bis mindestens zum 14.06.2020 verlängert

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Der Sommerurlaub wird für viele von uns dieses Jahr ins Wasser fallen. Aufgrund der Corona-Krise sind Reisen ins In- und Ausland im Moment tabu. Das Auswärtige Amt hat, Stand jetzt eine weltweite Reisewarnung bis Ende April herausgegeben. Außenminister Heiko Maas macht aber wenig Hoffnungen, dass es bei diesem Zeitpunkt bleiben wird. Es ist also davon auszugehen, dass die Reisewarnung auch über den April hinaus bestehen bleibt.

Reisewarnung bleibt vermutlich bestehen

Aufgrund dieser Reisewarnung haben eine Vielzahl von Reiseveranstaltern und Fluglinien von sich aus die Reisen und Flüge bis Ende April storniert. Die Reisen sind im Moment einfach nicht durchführbar. Auf Reisen, zumindest im April muss ein jeder von uns daher verzichten. Na gut, dann spart man auch etwas Geld. Gerade in der Krise vielleicht gar nicht so schlecht. Doch so einfach will es uns die Reisebranche nicht machen. Denn anstatt anstandslos den gezahlten Reisepreis zu erstatten, bieten viele Veranstalter den, nun nicht mehr Reisenden lediglich einen Reisegutschein an.

Ein Gutschein muss nicht akzeptiert werden

Die Frage ist nun, muss ich mich mit einem Gutschein abspeisen lassen? Die Antwort ist, zumindest derzeit noch eindeutig: Nein! Wird eine Reise durch den Veranstalter storniert, hat dieser den Reisepreis selbstverständlich zu erstatten. Auf einen Gutschein oder eine Umbuchung der Reise muss man sich also nicht einlassen.

Unter Umständen kann sich dies in Zukunft jedoch ändern. Die Bundesregierung plant, genau wie für die Veranstaltungs- und Freizeitbranche auch für Reisen die Möglichkeit der Erstattung in Form von Gutscheinen einzuführen. Da hierbei jedoch europarechtliche Vorschriften anzupassen sind, gehe ich nicht von einer baldigen Neuregelung aus.

Gleiches gilt auch für den Fall in dem der Reisende die Reise aufgrund der Reisewarnung selbst storniert hat. Im Falle einer Reisewarnung geht die Rechtsprechung davon aus, dass ein unvermeidbarer, außergewöhnlicher Umstand vorliegt, der zur Stornierung berechtigt. Selbstverständlich ohne Stornokosten. Ausgenommen davon sind allerdings Individualreisende.

Bei Individualreisen wird es deutlich schwerer

Wer seinen Flug selbst gebucht hat, muss darauf hoffen, dass die Fluggesellschaft den Flug annulliert. In dem Fall entstehen die üblichen Ansprüche aus der Fluggastrechteverordnung. Stornieren Sie den Flug selbst, obwohl dieser stattfindet, hängt die Erstattung davon ab, ob der Corona-Virus für genau diesen Flug einen unvermeidbaren, außergewöhnlichen Umstand darstellt. Das wird die Rechtsprechung in den nächsten Monaten beschäftigen.

Bei einer individuell gebuchten Unterkunft ist man allerdings in den meisten Fällen auf die Kulanz des Vermieters angewiesen. Außer in Fällen in denen der Tourismus durch die Behörden generell verboten wurde, wie z.B. in Schleswig Holstein wird eine Erstattung nur aufgrund der Kulanz des Vermieters möglich sein.

Ob Pauschalreise oder nicht. Die Frage ist, wem mit Stornierungen und Erstattungen geholfen ist. Die an sich schon finanziell auf Kante genähte Reisebranche wird durch die Erstattungen in erhebliche Existenzprobleme gebracht. Andererseits wird die angestrebte Gutscheinlösung das unternehmerische Risiko der Reiseveranstalter auf die Verbraucher abwälzen. Auch das kann nicht Sinn der Sache sein.

Beitragsbild: © Maurice Tricatelle – stock.adobe.com